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S02 - Oberlauf des Dilsbachs
Mit der Kuckuckshütte als Ausgangspunkt laufen wir parallel zum Bachverlauf bis zur Dilsbach-Brücke und den Kopfweiden. Der Feldweg bringt uns nach Dilshofen. Ende April sehen wir am „Bahnpäädsche“, dem Verbindungsweg von Zeilhard zum Bahnhof, den Lößhang mit den Anemonen blühen und hören den Kuckuck rufen. Beim Überqueren der Dorfstraße sind wir auf Ober-Ramstädter Gemarkung. Die Schleife durch die Bachaue führt uns zurück und bringt uns entlang der Bahnschienen am ehemaligen Bahnwärterhäuschen vorbei auf das Sträßchen zur Kuckuckshütte.
Die QR-Codes bieten unterwegs zusätzliche Informationen, auch vom Wanderweg Zeilhard700.
Strecke: ca. 4,9km || Dauer: ca. 75min || Höhenunterschied: ca. 32m

Früherer Hochbehälter: Trinkwasser für Spachbrücken
Die Spachbrücker Trinkwasserversorgung
Die ersten Anlagen mit fließendem Wasser und Toiletten sind uns aus der Römerzeit bekannt. So gab es zum Beispiel auf der römischen Villa Haselburg bei Hummetroth (Gemeinde Höchst) schon ein Badehaus. Da es auf Spachbrücker Gemarkung diesbezügliche römische Funde gab könnte es schon damals Badeanlagen mit Wasserversorgung und Abwasserableitung gegeben haben. Während des Mittelalters war dann die Hygienekultur wohl nicht mehr so ausgeprägt, so dass es oft zu Seuchenausbrüchen wie der Pest oder Cholera, kam. Ab dem 18. Jahrhundert hatte man erkannt, dass sauberes Trinkwasser und die Ableitung des Abwassers für die Gesundheit des Menschen unabdingbar sind.
Vom Brunnenwasser zum „Kroanewasser“
Die Trinkwasserversorgung in Spachbrücken erfolgte bis Anfang des 19. Jahrhunderts ausschließlich über handgeschachtete Brunnen. Im Zuge der Sanierung der Erbacher- und Friedhofstraße wurden zwei alte Brunnen wieder entdeckt. Die Brunnen hatten den Nachteil, dass jeder sein Wasser selbst mit Hand schöpfen und nach Hause tragen musste. Es bestand bei den Brunnen aufgrund ihrer Lage mitten im Ort und ihrer geringen Tiefe immer die Gefahr von Verunreinigungen des Trinkwassers wie z.B. mit Coli-Bakterien. Das Trinken des verunreinigten Wassers führte zu schweren Krankheiten, welche durchaus sogar zum Tod führen konnten.
Abhilfe schaffte dann Anfang des 19. Jahrhunderts der Bau einer zentralen Trinkwasserversorgung für Spachbrücken. Im oberen Dilsbachtal wurden im Bereich der Dörnbach-Quellen Wasser gefasst. Das Trinkwasser wurde über eine Leitung in freiem Gefälle in den damals neu errichteten Hochbehälter (am Kreisel zum Baugebiet Nord-West Reinheim) geleitet. Ein Hochbehälter dient dem Zweck, Trinkwasser für eine längere Zeit zu speichern, Druck in der Leitung für den Wasserhahn (das „Kroanewasser“) zu bekommen und eine Löschreserve bei Brandfällen im Ort zu sichern. Da die Quellen an der Dörnbach nicht sehr ergiebig waren entschloss man sich in den 60er Jahren einen Tiefbrunnen zu bauen und das Trinkwasser im Uferbereich des Dilsbachs mittels einer Pumpstation (zwischen Kuckuckshütte und Tennisplätzen) zum Hochbehälter zu pumpen. Der Hochbehälter wurde um eine weitere Kammer erweitert.
Früheres Brunnenhaus
Die eigene Wasserversorgung von Spachbrücken über deren Quellen und den Brunnen war aber längerfristig nicht gesichert. Die Quellen und der Brunnen waren in ihrer Ergiebigkeit begrenzt und konnten auf Grund des Wachstums der Einwohnerschaft auf Dauer die Versorgung mit Trinkwasser nicht mehr sicherstellen. Mit der Kommunalreform im Jahr 1972 wurden die Orte Spachbrücken, Zeilhard, Georgenhausen und Ueberau der Stadt Reinheim zugeschlagen. Es wurde das Ziel verfolgt, für das gesamte Stadtgebiet eine gesicherte Trinkwasserversorgung auszubauen. Im Zuge des Ausbaues wurden Quellen, Brunnen und Hochbehälter der Spachbrücker Wasserversorgung von der öffentlichen Wasserversorgung abgehängt. Die Wasserversorgung erfolgt nunmehr über die Tiefbrunnen in den Seewiesen zwischen Reinheim und Ueberau. Das geförderte Trinkwasser durchläuft eine Entkalkungsanlage und wird zum Hochbehälter in der Dörnbach gepumpt, von wo aus das Trinkwassernetz der Stadt Reinheim und ihrer Stadtteile gespeist wird (Reinheimer Stadtwerke).
Eine weitere wichtige Maßnahme zur Trinkwasserversorgung in Spachbrücken war der Bau einer zweiten Einspeiseleitung in das örtliche Wassernetz. Durch den Bau einer neuen Trinkwasserleitung im Jahr 1999 von Reinheim kommend (Bereich Aldi-Markt) nach Spachbrücken (Bereich obere Kantstraße) ist die Gefahr eines totalen Ausfalles der Wasserversorgung nicht mehr gegeben.
Es ist zwar bedauerlich, dass wir nicht mehr unser Trinkwasser aus dem Dilsbachtal haben. Da aber das Trinkwasser als Lebensmittel zählt werden sehr hohe Anforderungen an seine Reinheit gestellt. Hierzu zählen niedrige Nitratgehalte und keine Pestizidbelastungen, was nur über ausreichend tief gegründete Brunnen wie in den Seewiesen zu erreichen ist. Unser Reinheimer Wasser können wir daher auch zukünftig unbedenklich immer aus dem „Wasserkroane“ trinken. …
Auszug aus der Festschrift 2023, Autor: Günter Göckel
Ergänzung: Der Hochbehälter und der „Kalte Krieg“
Vor dem Hintergrund des „Kalten Krieges“ befürchtete man einen atomaren Angriff durch die hochgerüsteten Staaten des Warschauer Pakts. Ende der 1960er Jahre wurden im Bundesamt für Zivilschutz Pläne entwickelt, wie im Falle einer Kontamination durch radioaktive Strahlung möglichst schnell Messdaten gesammelt werden könnten. Zu dieser Zeit existierten in der Bundesrepublik zehn sogenannte „Warnämter“. Im Verteidigungsfall waren diese für die Warnung der Zivilbevölkerung bei Gefahren zuständig.
Warnamt musste Messstellen anlegen, an denen mit einem „Geiger-Zähler“ eine radioaktive Belastung, die „Ortsdosisleistung“, festgestellt werden konnte. Dazu musste ein meist ehrenamtlicher, besonders ausgebildeter Mitarbeiter des Zivilschutzes vor Ort sein, um die Messwerte am Gerät abzulesen und sie telefonisch an das zuständige Warnamt weiterzuleiten. Durch seine besondere Höhenlage wurde das leerstehende Spachbrücker „Wasserreservoir“ für eine Verwendung als „Warndienstleitmessstelle“ untersucht. Es kam aber nie zum Einbau der Technik, die Entspannungspolitik der 80er Jahre führte dazu, dass in Deutschland der Zivilschutz kaum noch weiterentwickelt wurde. In vielen Orten wurden sogar die Zivilschutzeinrichtungen abgebaut, Zivilschutzbunker umgenutzt, Zivilschutzanlagen in Tiefgaragen und Gebäude umgewidmet. Im Jahr 1984 waren insgesamt circa 1.200 Messstellen in Betrieb. Bei einer Abfragezeit von jeweils circa zwei Minuten pro Messstelle konnte eine Gesamtabfrage pro Warnamt sieben bis acht Stunden dauern. Beim Reaktorunglück von Tschernobyl am 26.04.1986 zeigte sich die Technik als nicht effizient. Das Messnetz wurde zum 1. Juli 1997 vom Bundesamt für Strahlenschutz übernommen!
Anglerverein "Wasserrose"
Der „AV Wasserrose 1968 e.V.“ Spachbrücken stellt sich vor…
Gegründet wurde der Verein im Mai 1968 durch 13 Angler, die den Wunsch hatten sich gemeinsam dem Angelsport widmen zu können, ohne auf die Einladung befreundeter Vereine oder Fließgewässer wie Main und Rhein angewiesen zu sein.
Im Jahr 1971 wurde dem Verein von der damaligen Gemeindeverwaltung Spachbrücken das Gelände, auf dem sich heute die Teichanlage und das Vereinsheim befinden, durch einen Erbpachtvertrag zur Verfügung gestellt.
Das ca. 18000 m2 große Gelände war damals ein feuchtes Wiesen- und Buschgelände. Die erste große Aufgabe der Mitglieder bestand darin die Teichanlage auszubaggern, die Ufer zu befestigen, zu bepflanzen und die Anlage einzuzäunen. Schon nach kurzer Zeit siedelten sich die ersten Molche und viele Libellenarten an, auch Teichrohrsänger, Wasseramsel und Eisvogel waren regelmäßige Gäste am Gewässer.
Im März 1972 wurde mit dem Bau der Fischerhütte begonnen, und im Juli 1972 konnte dank der über 3000 Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder die Einweihung der Teichanlage und des Anglerheims gefeiert werden.
Teichanlage von 1972
Im Jahr 1975 wurde die Erweiterung des Vereinsheims beschlossen. Die Umsetzung war allerdings ohne ausreichende Geldmittel ein schwieriges Unterfangen. Dennoch konnte nach Überwindung behördlicher Schwierigkeiten im Juni 1976 mit dem Umbau begonnen und schon im September 1976 die Einweihung gefeiert werden.
Im Mai 1998 erlitt das bis dahin Geschaffene einen herben Rückschlag. Bei einem Gülleunfall liefen ca. 50-70 m³ Gülle in den Dilsbach, der die Teichanlage mit Frischwasser versorgte. So wurde in einer einzigen Nacht fast die komplette Flora und Fauna im Dilsbach und in der Teichanlage vernichtet. In den ersten Tagen nach dieser Katastrophe wurden über 500 Arbeitsstunden geleistet um den Schaden einzudämmen. Ein halbes Jahr später, nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten an der Teichanlage, konnte der erste Fischbesatz wieder durchgeführt werden.
Oberstes Ziel des AV Wasserrose ist der Naturschutz im Allgemeinen und der Schutz von Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen in und an dem Gewässer im Besonderen. Dazu gehört auch die gründliche Ausbildung zukünftiger Angelfischer.
Das Jahr 2023 ist nicht nur für den Ort Spachbrücken ein besonderes Jahr, auch der AV Wasserrose feiert sein 55-jähriges Bestehen. Wir möchten alle recht herzlich einladen, mit uns am 22.07.2023 und 23.07.2023 dieses Jubiläum zu feiern
Petri Heil!
Ihr Angelverein Wasserrose 1968 e.V. Spachbrücken
Manuela Petricig, 1. Vorsitzende
Alter Dilshof - Dilshofen
Dilshofen ist ein besonderer Ort, denn er gehört zu zwei Kommunen: Die östliche Seite der Straße liegt in der Zeilharder Gemarkung, also Reinheim, die westliche Seite gehört zu Ober-Ramstadt! Dieser älteste Teil, die heutige Staatsdomäne, ist im Besitz des Landes Hessen, von dem die Familie Vogt den Hof gepachtet hat. Sie hat sich auf Sonderkulturen, vor allem Arzneipflanzenanbau, spezialisiert.
Der Zeilharder Teil mit dem alten und dem neuen Dilshof gehen auf die Freiherren Haxthausen in Georgenhausen zurück. Nur der alte Dilshof wird noch landwirtschaftlich betrieben. Manfred Krumpholz bietet in seinem kleinen, aber urigen Hofladen im alten Gewölbekeller frische Eier, Honig, Säfte, Wurstkonserven und auf Bestellung frisches Suppenhuhn an. Mit einem kleinen Getränkeangebot kann er auch durstige Wanderer erfrischen!
Radweg nach Ober-Ramstadt
Radwege durch das Dilsbachtal
Zwar ist das Dilsbachtal eine Wanderregion mit einem dichten Netz an Wanderwegen, aber diese Wanderwege eignen sich auch gut für Ausflüge mit dem Rad. Manche Wegabschnitte sind allerdings für schmale Rennradreifen nicht geeignet. Anregungen gibt es auf folgenden Web-Seiten:
Darmstadt Dieburg mit dem Rad entdecken
ladadi – mit dem Rad entdecken
Radroutenplaner Hessen
Blick ins gesamte Dilsbachtal : Bahnbrücke vor Ober-Ramstadt
Blickrichtung Ost von den Quellen bis zur Mündung
Das steht zum Dilsbachtal in „Wikipedia“:
Der Dilsbach ist ein etwa siebeneinhalb Kilometer langer linker und westlicher Zufluss der Gersprenz.
Der Bach entspringt am Habichtsrech östlich von Ober-Ramstadt, durchfließt den Weiler Dilshofen sowie Reinheim-Spachbrücken und vereint sich nördlich des Naturschutzgebietes Reinheimer Teich mit dem Abfluss des Teichs und dem Langen Graben (im Oberlauf Wembach) zum Landwehrgraben, der nach circa einem Kilometer in die Gersprenz mündet.
Zuflüsse
Litzelbach (rechts), 0,7 km
Reifelbach (links), 1,2 km
Bettenwiesengraben (links), 1,0 km
Lage: Rhein-Main-Tiefland, Reinheimer Hügelland, Westliche Reinheimer Buckel
Gersprenzgrund
Flusssystem Rhein, Abfluss über Gersprenz ? Main ? Rhein ? Nordsee
Quelle östlich von Ober-Ramstadt
Mündung nordöstlich von Reinheim-Spachbrücken in den Landwehrgraben
Koordinaten: 49° 51' 7" N, 8° 51' 17"
Länge ca. 7,4 km[1]
Alter Zeilharder Bahnhof
Landbahnhof Zeilhard - Buch beim Geschichtsverein Zeilhard-Georgenhausen erhältlich
Nach einer – heute fast illusorischen – Planungsphase von rund zehn Jahren wurde im Mai 1871 die Bahnstrecke Darmstadt – Erbach in Betrieb genommen und damit auch die Haltestelle Zeilhard eröffnet. Die Bürger aus Zeilhard und Georgenhausen hatten über das „Bahnpäädsche“ einen Fußweg von zwei Kilometern hinter sich, wenn sie am Bahnhof ankamen. Aber sie hatten damit eine Verbindung in die große weite Welt nach Darmstadt, das sie bisher nur zu Fuß oder mit der Kutsche erreichen konnten. Die Spachbrücker nutzten eher den Bahnhof in Reinheim, später (1898) kam ein Haltepunkt Richtung Habitzheim dazu, mit dem die Spachbrücker bis 1965 Anschluss Richtung Dieburg und weiter nach Offenbach hatten.
Brückenbauwerke und der Engelberg-Tunnel stellten die Ingenieure vor besondere Herausforderungen. Steigungen von Reinheim bis zum Tunnel und von Zeilhard bis zur Anhöhe vor Ober-Ramstadt galt es zu überwinden. Zu überwinden waren 13 Meter Steigung auf 1000 Metern Gleisstrecke – und umgekehrt als Gefälle – auch für die Lokomotiventechnik nicht einfach! Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h im Tunnel und 70 km/h auf freier Strecke ließen eine Fahrzeit von 9 bis 15 Minuten zwischen Reinheim und Ober-Ramstadt zu, je nach Größe (und Gewicht) des Zuges. Der Aufenthalt im Bahnhof Zeilhard kam zeitlich noch hinzu.
Der Bahnhof war nicht nur für Pendler zur Arbeit nach Ober-Ramstadt und Darmstadt wichtig, auch landwirtschaftliche Erzeugnisse, zuletzt bis 1984 Zuckerrüben, wurden dort verladen. Briefe und Pakete fanden über die Bahnpost in den Zügen der „Hessische Ludwigsbahn“ genannten Verbindung ihren Bestimmungsort. 1881 war das Stationsgebäude „mit Abtritt und Stall“ fertiggestellt worden. Bahnwärterhäuschen sicherten die meist beschrankten Bahnübergänge. Das waren aber keine stark befahrenen Straßen wie heute, sondern lediglich Feldwege, auf denen die Bauern der umliegenden Ortschaften, auch vom Hofgut Illbach im Wembachtal, ihre Güter zur Bahn brachten.
Der Bahnhofstandort in Zeilhard wurde so gut angenommen, dass um 1890 sogar die Bahnsteige verlängert werden mussten und Nebengleise geschaffen wurden, damit die Verladung von Getreide und Rüben leichter zu organisieren war, ohne den Regelbetrieb der Bahn zu stören. 1910 wurde ein Ausweichgleis gebaut und eine zeitgemäße Stellwerks- und Signaltechnik eingeführt, um eine engere Taktung des Zugverkehrs in beide Richtungen zu gewährleisten. In den 50er Jahren gab es bis zu 20 Zughalte am Tag in Zeilhard-Dilshofen. Die unterversorgte Stadtbevölkerung aus Darmstadt nutzte nach dem Krieg diesen Halt, um sich bei „Hamsterfahrten“ bei den Landwirten an der Strecke mit Lebensmitteln einzudecken, die es in der Stadt – wenn überhaupt – nur auf Bezugsschein gab.
Die Blütezeit des Landbahnhofes zwischen 1910 und 1960 ging gegen 1957 zu Ende, als der Buslinienverkehr, die „Blaue Linie“, auch Georgenhausen und Zeilhard anbindet. Nach 1960 werden nach und nach die Fahrkartenausgabe und die Güterverladung eingestellt. Das Bahnhofsgebäude wird im Mai 1975 abgerissen, nach 1979 hält kein Zug mehr für Passagiere an, 1984 werden zum letzten Male Zuckerrüben verladen. Bis 1992 werden Ladegleis und Weichen demontiert.
Zwischen 2005 und 2007 verlegt die neue Odenwaldbahn, heute „VIAS“, neue Gleise und neue Signaltechnik. Nach der Dampfeisenbahn und den Diesel-Bahnbussen verkehren nun moderne ITINO Triebwagen. In Zeilhard hält keiner mehr!
Finkennest
Als nach dem Krieg die Einwohnerzahlen von Zeilhard und Georgenhausen auch durch die Eingliederung von Vertriebenen aus dem Osten anstiegen, wurde der Bahnhof rege genutzt. Wegen der 20 Zughalte pro Tag entstand durch die Pendler Richtung Reinheim und Darmstadt ein Bedarf für einen Imbiss, den eine kleine Gastwirtschaft, das „Finkennest“, befriedigen konnte. Familie Krolupper begann nach 1945 zunächst mit dem Verkauf von Flaschenbier, Tabakwaren und Süßigkeiten. Ein kleiner Gastraum machte dann das Finkennest 1952 zur Bahnhofswirtschaft! Aber außer den täglichen Zugpendlern freuten sich auch die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte der Umgebung und Ausflügler auf die kleine Gaststätte mit dem schönen Ausblick ins Dilsbachtal und zum Rossberg. 1960 kamen ein Festsaal und eine Toilettenanlage dazu, so dass auch größere Familienfeste gefeiert werden konnten.
Nach 1967 übernahm Familie Schmidt das Finkennest, das sich wegen des Spielplatzes mit Schaukel und elektrischem Karussell zum Ausflugslokal für schöne Sonntagnachmittage etablierte. Familienväter waren gut beraten, immer ausreichend 10-Pfennig-Stücke einstecken zu haben, damit der Nachwuchs das Karussell in Bewegung setzen konnte.
Nach Aufhebung des Bahnhofsbetriebes 1960 und des Haltepunktes Zeilhard 1978 wurde das Finkennest als Gastwirtschaft 1980 geschlossen. Nach einem Umbau ist es heute ein Wohnhaus. Das Fundament des beliebten Karussells wurde für eine Gartenlaube genutzt!
Anemonen-Blütenhang - Lösswand am „Bahnpäädsche“
Auch Wikipedia kennt unser besonderes Naturdenkmal, dessen Zutritt allerdings derzeit wegen der Gefahr herabbrechender Äste gesperrt ist.
Die Lößwand am Fußpfad Bahnhof Georgenhausen–Zeilhard ist ein flächenhaftes Naturdenkmal in der Gemarkung Zeilhard, Stadt Reinheim, im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Südhessen. Es besteht aus einem trockenen Lößhang mit seltenen Pflanzen und umgebenden Vogelschutzgehölzen.
Die „Lößwand am Fußpfad Bahnhof Georgenhausen–Zeilhard“ wurde mit Verordnung vom 27. Mai 1959 unter Naturschutz gestellt.[3] Das Naturdenkmal erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von etwa 125 Meter.[2] Die geschützte Fläche umfasst 3.358 Quadratmeter.[4]
Geschichte
Seit die Odenwaldbahn 1871 in Betrieb genommen wurde, lag der Bahnhof Zeilhard ortsfern auf freier Strecke und war von Zeilhard und Georgenhausen nur durch einen Fußweg von etwa 20 Minuten zu erreichen. Dieser Weg, auch „Bahnpädsche“ genannt, wurde im Rahmen der Flurbereinigung 1958–1961 um etwa 100 Meter nach Westen verlegt.[4] Nachdem im Mai 1975 das Bahnhofsgebäude abgerissen wurde, bestand nur noch ein Haltepunkt, der im Sommer 1979 schließlich auch aufgegeben wurde. Auf dem Bahnhofsgelände wurden noch bis Herbst 1984 Rüben verladen. Dann wurden zwischen 1989 und 1992 auch das Ausweichgleis und die Weichen abgebaut. Heute erinnert nichts mehr an den ehemaligen Bahnhof.[5] Erhalten blieb nur der Fußweg nach Zeilhard, der seine Bedeutung verloren hat.[4]
Das Naturdenkmal umfasst den Lößhang östlich des Fußweges, eine dreieckige Parzelle westlich davon, sowie den hohlwegartig eingeschnittenen, zur Bahntrasse steil ansteigenden südlichen Teil.[2] Hier erinnern noch Reste einer Asphaltierung und Rohrgeländer an die frühere Wichtigkeit des Weges. Der nach Südwesten abfallende Lösshang ist auf einer Fläche von etwa 30 mal 15 Metern gehölzfrei und wird dort von einem Halbtrockenrasen bewachsen. Das gefährdete Große Windröschen bildet hier einen ausgedehnten Bestand. Außerdem kommen Kartäusernelke, Rundblättrige Glockenblume, Gemeiner Odermennig und andere wärmeliebende Pflanzenarten vor. Am oberen Hang gedeihen wilde Rosen. An kleinen unbewachsenen Stellen der Lösswand nisten zahlreiche Wildbienen, unter anderem die seltenen Arten Senf-Blauschillersandbiene und ihr Brutparasit Nomada melathoracica. Nördlich und südlich der offenen Lößwand findet sich ein Gehölzbestand mit Hänge-Birke, Robinie, Rosskastanie, Stieleiche, Berg-Ahorn und Feldahorn. Im Schutzgebiet wurden 25 Vogelarten beobachtet, darunter Turteltaube, Nachtigall und Dorngrasmücke. Auch Zauneidechsen leben hier.[4]
Die Betreuung und Pflege des Naturdenkmals erfolgt im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde durch den NABU Spachbrücken.[6] (Quelle: Wikipedia)
Früheres Bahnwärterhäuschen
In den Anfängen der Eisenbahn gab es keine ausgefeilte Signaltechnik, sondern Streckenposten und Bahnwärter sicherten den Bahnbetrieb. Etwa ein Drittel aller Bahnbeschäftigten gehörten dazu. Im „Grieser-Häuschen“, das so im Volksmund nach einem langjährigen Bewohner benannt wurde, sicherte der Bahnwärter einen Bahnübergang und den Eingang zum Engelberg-Tunnel. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1880/81 errichtet und hatte die Bahnbezeichnung „Streckenposten Nr.16“. Hier wohnte der für diesen Streckenabschnitt verantwortliche Bahnwärter mit seiner Familie. Bei 20 Zugbewegungen pro Tag musste der Bahnwärter als Selbstversorger auch in seinem Garten arbeiten, um mit seinem dürftigen Lohn auszukommen. Nach Verkauf an einen Privatbesitzer im Jahr 1970 erhielt das Gebäude sein jetziges Aussehen.
Der Bahnübergang wurde 1930 im Zuge einer Flurbereinigung in der Spachbrücker Gemarkung geschlossen.
Bahntunnel Engelberg
Der Baubeginn des 238 m langen Eisenbahntunnels war im Juni 1869. Arbeiter aus ganz Deutschland, vor allem aber Tunnelbauspezialisten aus Tirol, der Schweiz und Italien, konnten schon am 6. November desselben Jahres den Durchstich vermelden. Die Fertigstellung des Bauwerks wurde am 07. November 1870 gefeiert. Bereits im September 1868 begannen die Bauarbeiten an dem 1205 Meter langen Frau-Nauses-Tunnel zwischen Wiebelsbach und Höchst im Mümlingtal. Der Tunnelbau dort kostete elf Menschen das Leben und war noch im Dezember 1870 abgeschlossen worden.
Am 15. Mai 1871 wurde die Teil-Strecke von Darmstadt bis Reinheim für den regelmäßigen Betrieb freigegeben. Im Dezember 1871 konnte man bereits von Darmstadt bis Erbach reisen.
Die Bahnstrecke ist durchgehend eingleisig ausgeführt. Die Planungen und der Bau der Tunnelanlagen weisen aber darauf hin, dass man später auf zwei Gleise ausbauen wollte. Über den Tunnel führen zwei landwirtschaftliche Wege, die Tunnel- und Gleisanlagen dürfen nicht betreten werden.
Heißt es übrigens „der Tunnel“ oder „das Tunnell“? Hier trifft der süddeutsche Sprachraum, mit französischem Einfluss, auf den norddeutschen Sprachgebrauch. „Wir im Süden“, vor allem die Mundartsprechenden, betonen noch die letzte Silbe.
Streuobstwiese
Beim Streuobstbau wird mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden Obst auf hochstämmigen Baumformen erzeugt. Die Bäume stehen im Gegensatz zu niederstämmigen Obstanlagen häufig „verstreut“ in der Landschaft. Die Nutzung von Äpfel, Birnen, Kirschen oder Zwetschgen hat sich tief in unserer Kultur verankert. Mit der Abholzung alter Obstbäume gingen auch etliche alte Obstsorten verloren. Im Natur- und Artenschutz gewinnen Streuobstwiesen wieder mehr an Bedeutung.
Den Streuobstbeständen gemeinsam ist die regelmäßige Nutzung sowohl der Hochstamm-Obstbäume (Obernutzung) als auch der Flächen unter den Bäumen (Unternutzung). Die umweltverträgliche Nutzung eines Streuobstbestandes schließt die Anwendung synthetischer Behandlungsmittel wie Pestizide und Dünger aus. Hochstamm-Obstbäume sind Bäume mit mindestens 180 Zentimetern Stammhöhe. Die häufigste Anlageform ist die Streuobstwiese, bei der hochstämmige Obstbäume auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden stehen. Obstbäume wurden entlang unserer Wanderwege auch als Ausgleich für durch den Straßenneubau verloren gegangenes Ackerland angepflanzt
In ihrer Vielfalt der Anbauformen sind Streuobstbestände prägender Bestandteil der mitteleuropäischen Kulturlandschaften. Sie beherbergen über 5.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sowie über 6.000 Obstsorten. Als Bewohner von Baumhöhlen und Futtersucher auf der Wiese ist der Grünspecht einer der Nutznießer der Hochstammgewächse. Seinen „lachenden“ Ruf hört man schon von weitem!
Seit Anfang der 1980er Jahre bemühen sich Naturschützer, Landwirte, öffentliche Hand und Keltereien vermehrt um Schutz und Förderung der Streuobstbestände in Deutschland. Motivation hierfür sind die Bedeutung des Streuobstbaus für Landschaftspflege und Naturschutz, als Kulturgut und als Erwerbszweig sowie für Naherholung und Tourismus.
(Quelle: NaBu)